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26.02.2015 Personalstruktur

In Deutschland gibt es

- Wissenschaftliche Bibliothekare (WissBibs), die nicht nur Buchschupserei studiert haben, sondern auch noch das Fach ihrer Bibliothek. Mein Münchener Chef, Herr Weber, hat z.B. Buchschupserei und Jura studiert.  Meine Römische Chefin Frau K. hat ihren Dr. in Kunstgeschichte und danach noch ein Studium der Buchschupserei hinterher geschoben. In wissenschaftlichen Bibliotheken übernehmen normalerweise auch sie die Sacherschließung (dass ich das auch teilweise mache, wenn ich ausgelernt bin, ist eine absolute Ausnahme), da sie sich ja fachlich auskennen.

- Diplombibliothekare (DiplBibs), die Buchschupserei studiert haben und in der Regel auf leitenden Positionen sitzen und speziellere Dinge erledigen. Zuhause sind sie für alles außer Zeitschriften und Infotheke/Kundenservice zuständig. In der Uni-Bib erledigen sie alles außer Ausleihe und Infopoint.

- Buchschupsen (Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste, früher Bibliotheksassistenten), auch besser bekannt als 'Niederes Fußvolk'. Wir machen eigentlich alles, was sonst keiner macht. Medien ins Regal stellen, Info- und Servicetheke. Bei uns Zuhause noch die Zeitschriften und Scannen und Anhängen von Inhaltsverzeichnissen. Selten sitzt Niederes Fußvolk z.B. auf Katalogisierungsstellen (kommt aber auch manchmal vor - dann meist eher Leute, die in wissenschaftlichen Bibliotheken gelernt haben).

Unterstützt werden die oft durch studentische Hilftskräfte oder in öffentlichen Bibliotheken auch FSJler oder Ehrenamtliche.

Je kleiner eine Bibliothek, desto größer die Chance, als niedrig Qualifizierter auch eine hohe Stellung zu haben. Auf dem Land z.B. werden Gemeindebibliotheken oft von (wesentlich günstigeren) Bibliotheksassistenten geleitet.

 

In Italien ist das etwas sehr anders. Hier gibt es z.B. im Vatikan eine Bibliotheksschule, aber ansonsten ist das Buchschupsereisystem hier stark hinterher... In Deutschland haben wir es sehr luxuriös.

Die Bibliotheca schaut, dass sie jeden "WissBib" bekommt, den sie bekommen kann, also Kunsthistoriker, die sich Buchschupserei aneignen. Es hat halt einfach für so eine Spezialbibliothek enorme Vorteile, wenn man sich gleich noch mit dem Inhalt auskennt. 

Auf den meisten Stellen sitzen DiplBibs aus Deutschland.

Und dann gibt es noch die Kustoden, heute auch Kommessi genannt. 

Der Kustor kommt aus dem Lateinischen und beschreibt einen Wächter. Früher waren sie in der Bibliotheca Hertziana auch eine Mischung aus Hilfskräften und Portieren. 

Heute gibt es einen eigenen Portierdienst und Kustoden kümmern sich vorwiegend darum Bücher einzustellen, Rari zu pflegen, Signaturschilder aufzukleben falls der Band nicht sowieso neu gebunden und die Signatur gleich eingeprägt wird, erledigen Hilfsarbeiten bei der Digitalisierung und springen ein, wo gerade ein Personal anwesend sein muss. 

Fachlich sind sie ungelernt. Sie stehen hierarchisch eigentlich auf der Buchschupsenetage, vom Hintergrundwissen und der Bezahlung allerdings darunter.

Irgendwie verschwimmt das in letzter Zeit immer mehr. Man sehe sich folgendes Stellenangebot an:

http://www.mpg.de/8983181/aushilfe-bibliothek

Ja, ich kann mehr und mach auch mehr. Aber eben auch nicht viel mehr.

Beispiel: "Zusammenstellen von Zeitschriften für den Buchbinder"

Entweder ich mach das selber oder S. macht das für mich und ich lege den Datensatz dann nur noch im System an. Eigentlich ist das aber eine typische FaMI-Aufgabe, das alles zusammen. Dem Studenten darf ich aber jedes mal hinterher arbeitne. Klar, ist ja auch logisch. Es liest sich so einfach und klingt banal. "Wenn die Hefte 1-12 da sind, leg ich sie auf einen Stapel". Das ist es aber nicht. Man muss mit den Datensätzen umgehen können, mit den Exemplarsätzen, mit den Lieferanten, der Erscheinugsweise, Inhaltsverzeichnissen, Beilagen, Einbanddecken, Musterpappen, dem Buchbindereiwesen. Es hat schon seinen Grund, warum ich das seit mehreren Jahren den größten Teil des Tages mache und trotzdem jede Woche etwas Neues lerne. Klar, ausgelernt in dem Sinne ist man nie, aber ich meine wirklich noch Ausbildungslernen.

Was also macht mich als Fachkraft noch aus, wenn 70% meiner Arbeit von ungelernten Aushilfen erledigt werden soll?

26.2.15 21:16

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